Am vergangenen Mittwoch wurde in Leipzig ein Stolperstein zum Gedenken an unseren ehemaligen Spieler Dr. Leon Dressler verlegt. Vor seinem letzten selbstgewählten Wohnort in der Trufanowstraße 34 wurde an das Schicksal eines Mannes erinnert, der einst Teil der Vereinsgeschichte des VfB Leipzig – dem Vorgänger unseres heutigen Vereins – war. Das Schicksal von Leon Dressler wurde 2024 von unserer damaligen U15-Mannschaft während eines Workshops herausgearbeitet. Dieses Projekt für Zivilcourage und gegen Extremismus veranstaltet der 1. FC Lok seit nunmehr fünf Jahren in Zusammenarbeit mit dem Erich-Zeigner-Haus in den Herbstferien. Redebeiträge auf der Gedenk-Veranstaltung hatten unter anderem die beiden Nachwuchs-Spieler Tommy Vu Nguyen und Selim Abdelwahab, die Teil des Workshops waren sowie Michael Weichert, der als Vizepräsident im Namen des 1. FC Lok sprach.
Leon Dressler wurde am 25. September 1895 in Tarnopol geboren. In der Saison 1914/15 spielte er in der ersten Mannschaft des VfB Leipzig und gehörte damit zu den frühen Spielern unseres Vereins. Kurz darauf wurde sein Leben, wie das vieler junger Männer seiner Generation, durch den Ersten Weltkrieg geprägt: Von 1915 bis 1918 diente er als Kriegsfreiwilliger. Nach dem Krieg begann Dressler in Leipzig ein Studium der Rechtswissenschaften, das er mit großem Erfolg abschloss. Seine zweite juristische Staatsprüfung bestand er 1923 mit „summa cum laude“. Bereits ein Jahr später eröffnete er in Leipzig eine eigene Anwaltskanzlei und arbeitete unter anderem als Rechtsberater für Leipziger Unternehmen.
Neben seiner beruflichen Tätigkeit blieb er dem Sport verbunden und spielte im jüdischen Fußballverein SK Bar Kochba Leipzig.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten änderte sich Dresslers Leben dramatisch. Aufgrund seines jüdischen Glaubens wurde er zunehmend verfolgt und entrechtet. Am 19. Oktober 1938 wurde ihm die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft entzogen, womit ihm seine berufliche Existenz genommen wurde. Während der Reichspogromnacht am 9./10. November 1938 wurde Leon Dressler verhaftet und in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert. Auch seine Familie wurde Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung: Das Geschäft seines Bruders Karl wurde zerstört; dieser wurde später nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Nach seiner Entlassung aus dem KZ gelang Leon Dressler im Dezember 1938 die Flucht über Frankreich in die Schweiz. Später emigrierte er weiter nach Kuba, wo er 1946 die Staatsbürgerschaft erhielt. Ab 1947 lebte er in New York, bevor er 1956 in die Schweiz zurückkehrte. Dort starb er am 1. Oktober 1968 in Genf.
Die nun erfolgte Stolpersteinverlegung erinnert dauerhaft an sein Leben und sein Schicksal. Die kleinen Messingsteine im Gehweg sind Teil eines europaweiten Projekts des Künstlers Gunter Demnig und sollen die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus im Alltag sichtbar machen.
Für unseren Verein ist dieser Stolperstein mehr als ein historisches Zeichen: Er erinnert daran, dass Menschen aus unserer eigenen Vereinsgeschichte Opfer von Verfolgung und Unrecht wurden. Das Gedenken an Leon Dressler mahnt uns, Verantwortung für Erinnerung, Menschlichkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu übernehmen.















